Hinter Ihnen liegen zwei oder drei Jahrzehnte im Cockpit. Sie haben Unternehmen gesteuert, Millionenbudgets verantwortet und Teams durch heftige Krisen manövriert. Da weiß man, was man kann.
Und dann? Restrukturierung. Ein plötzlicher Eigentümerwechsel. Oder ein neuer Vorstand, der seine eigenen Leute mitbringt. Von heute auf morgen beginnt ein Kapitel, auf das Sie kein Assessment-Center der Welt vorbereitet hat: die Selbstständigkeit. Auf einmal sind Sie Berater, Interim Manager oder Coach.
Ohne Warm-up: So „texten“ Sie bessere KI-Texte für Ihre Berater-Website
Das bedeutet auch: Sie müssen sich plötzlich wieder sichtbar machen. Nach all den Jahren. Das LinkedIn-Profil verlangt nach einem Update. Eine Website muss her. Kurz: Ihre Erfahrung muss irgendwie in Worte gegossen werden.
Genau an diesem Punkt zücken viele ChatGPT & Co.
Der Impuls ist ja völlig logisch: Warum nicht die neue Technologie einspannen, um den ersten Entwurf für den Marktauftritt hinzulegen?
Die Ernüchterung folgt meistens direkt nach dem Klick auf „Generieren“.
Sie füttern den Bot mit einem simplen Auftrag: „Schreibe einen Einführungstext für meine Berater-Website.“ Und was wirft die Maschine aus? Phrasen-Einheitsbrei:
„Ich begleite Unternehmen mit Leidenschaft auf ihrem Weg zur erfolgreichen Transformation und entwickle ganzheitliche Lösungen für nachhaltiges Wachstum.“
Beim Durchlesen spüren die meisten gestandenen Führungskräfte ein leichtes Unbehagen: „So würde ich im Leben nicht sprechen.“
Und genau da liegt der Hund begraben.
Das eigentliche Problem: Der Algorithmus kennt Ihre Geschichte nicht
Wenn Sie einer KI nur eine allgemeine Aufgabe vor die Füße werfen, spuckt sie statistische Wahrscheinlichkeiten aus. Sie greift auf Muster zurück, die sie in Millionen von weichgespülten Marketingtexten gelernt hat.
Das Ergebnis? Klingt künstlich optimistisch, stark amerikanisiert und ertrinkt in Floskeln.
Für Wald-und-Wiesen-Berater mag das sogar funktionieren. Für ehemalige Geschäftsführer, Vorstände oder Bereichsleiter definitiv nicht.
Denn Ihre künftigen Kunden – meist Inhaber oder Aufsichtsräte – suchen keinen Motivationstrainer. Die suchen jemanden, der die Nerven behält, wenn die Hütte brennt. Wenn Umsätze einbrechen, Lieferketten reißen oder harte Sanierungen anstehen.
Die suchen handfeste Erfahrung, Urteilskraft und absolute Verlässlichkeit. Genau diese Nuancen gehen in generischen KI-Texten komplett flöten.
Die eigentliche Herausforderung ist nicht die Technik
Ehemalige Manager erleben in dieser Phase einen ebenso unangenehmen wie ungewohnten Rollenwechsel: Jahrzehntelang lief das Business von selbst: Sie wurden angesprochen, headgehuntet, empfohlen oder schlicht befördert. Neue Aufgaben kamen über das gewachsene Netzwerk oder den eigenen Leistungsausweis.
Jetzt müssen Sie plötzlich selbst erklären, warum ein Unternehmen ausgerechnet Sie(!) buchen sollte.
Das fühlt sich anfangs sperrig an. Ungewohnt. Nicht weil es an Kompetenz mangelt. Sondern weil man Sichtbarkeit im ersten Moment fast automatisch mit billiger Selbstdarstellung verwechselt.
Die gute Nachricht: Sie müssen sich nicht zum lauten Marktschreier verbiegen. Im Gegenteil. Sie müssen lediglich lernen, Ihre echte Erfahrung glasklar auf den Punkt zu bringen. Dabei kann KI übrigens ein genialer Assistent sein – man muss sie nur richtig führen.
Behandeln Sie ChatGPT wie einen Junior-Texter
Die meisten schlechten KI-Texte entstehen nicht, weil die Technologie versagt. Sondern weil das Briefing schlichtweg unbrauchbar war. Wer im echten Leben einen Junior-Texter beauftragt, würde ihm ja auch nicht zurufen: „Schreiben Sie mal eben was über mich.“
Dasselbe Prinzip gilt für die KI. Wenn Sie brauchbare Ergebnisse wollen, steuern Sie das Tool über drei Hebel:
1. Die Rolle messerscharf definieren Geben Sie der KI eine glasklare Identität. Sagen Sie ihr, wer sie beim Schreiben zu sein hat.
- Ein gutes Briefing: „Schreibe nicht wie ein Werbetexter oder Social-Media-Coach. Schreibe aus der Perspektive eines krisenerprobten CFOs mit 20 Jahren Industrieerfahrung. Der Ton ist ruhig, präzise, sachlich und souverän. Streiche jede künstliche Begeisterung.“
2. Ein striktes Floskel-Verbot erteilen Die KI hat eine eingebaute Vorliebe für heiße Luft. Entziehen Sie ihr das Budget für Buzzwords durch eine kompromisslose Verbotsliste.
- Beispiel: „Verwende keine Begriffe wie ganzheitlich, Leidenschaft, Herzblut, synergetisch, Gamechanger, Transformationsexperte oder Next Level. Und lass die Emojis und Ausrufezeichen weg.“
3. Fakten liefern statt Adjektive diktieren Der größte Fehler im Umgang mit KI besteht darin, ihr Eigenschaften vorzugeben.
- Schwach: „Schreibe, dass ich ein starker Krisenmanager bin.“ (Daraus baut die KI nur Floskeln).
- Besser: „Während des Corona-Lockdowns habe ich die Kommunikation für 250 Mitarbeiter stabilisiert und mehrere Standorte trotz massiver Unsicherheit auf Kurs gehalten.“
Aus konkreten Erfahrungen entstehen glaubwürdige Sätze. Aus Adjektiven entsteht meistens nur heiße Luft.
Gute Berater verkaufen nicht. Sie stiften Orientierung.
Viele ehemalige Führungskräfte haben eine tiefe, fast allergische Abneigung gegen alles, was nach Marketing riecht. Das ist völlig verständlich.
Aber echte Sichtbarkeit bedeutet nicht, sich wie Sauerbier anzupreisen. Es bedeutet schlicht und ergreifend, potenziellen Kunden zu zeigen, welche Probleme Sie in der Realität schon gelöst haben. Welche Narben Sie sich im Business geholt haben.
Ein exzellenter Website-Text wirkt deshalb niemals wie Werbung. Er gibt Orientierung. Er zeigt Haltung. Und er macht sofort unmissverständlich klar, dass hier jemand spricht, der schwierige Situationen nicht bloß aus schlauen Lehrbüchern kennt.
Fazit: Die Richtung bestimmen immer Sie
ChatGPT und Co. können Ihre Arbeit massiv beschleunigen. Die Tools liefern Strukturen, schlagen Formulierungen vor und nehmen Ihnen die handwerkliche Fleißarbeit ab.
Was die KI jedoch niemals ersetzen kann, sind Ihre persönlichen Geschichten, Ihre Urteilsfähigkeit und Ihr ganz eigener Tonfall. Die besten Texte entstehen nicht, wenn die KI für Sie spricht. Sondern wenn sie Ihnen dabei hilft, Ihre eigene Stimme klarer hörbar zu machen.
Machen Sie zum Schluss den Praxistest: Lesen Sie Ihren Website-Entwurf oder Ihr LinkedIn-Profil einmal laut vor.
Jeden einzelnen Satz, den Sie in einem Vier-Augen-Gespräch mit einem Aufsichtsrat oder Unternehmer niemals so sagen würden, werfen Sie raus. Souveränität entsteht im Text selten durch das, was man hinzufügt.
Sondern durch das, was man weglässt.
Executive Summary: So „texten“ Sie bessere KI-Texte
- Das Problem: Unpräzise Aufgabenstellungen an ChatGPT & Co. führen zu generischem Marketing-Sprech. Standard-KI liefert amerikanisierte, weichgespülte Werbefloskeln statt der unaufgeregten Souveränität, die man von ehemaligen Top-Managern und Vorständen erwartet.
- Die Ursache: Der Algorithmus greift mangels spezifischer Daten auf den statistischen Internet-Durchschnitt zurück. Er kennt Ihre individuellen Meilensteine nicht und verwechselt sichtbare Führungskompetenz mit billiger Selbstdarstellung.
- Die Lösung: Steuern Sie die KI wie einen menschlichen Junior-Texter über ein glasklares, restriktives Briefing:
- Rolle diktieren: Verpassen Sie der Maschine die Identität eines krisenerprobten C-Level-Experten, nicht die eines Social-Media-Coaches.
- Floskel-Verbot: Belegen Sie typische Buzzwords (Transformation, ganzheitlich, Next Level) und werbliche Stilmittel mit einer strikten Sperrliste.
- Fakten statt Adjektive: Füttern Sie das Tool mit konkreten Projektergebnissen und Zahlen Ihrer Karriere, anstatt es Eigenschaften („Krisenmanager“) frei erfinden zu lassen.
- Der Maßstab: Gute Berater-Texte wirken nicht wie Werbung, sondern stiften Orientierung. Der finale Praxistest ist die eigene Stimme: Jeder Satz auf Ihrer Website oder Ihrem LinkedIn-Profil, den Sie in einem persönlichen Gespräch mit einem Inhaber oder Aufsichtsrat niemals laut aussprechen würden, gehört rigoros gestrichen.

