Es ist ein faszinierendes Schauspiel: Im echten Leben ein Routinier, wettergegerbt durch Jahrzehnte im Konzernwind, ein Mensch, der im Konferenzraum die Gravitation bestimmt. Doch kaum wird das goldene Namensschild gegen die eigene Homepage getauscht, passiert etwas Kurioses:
Die Souveränität verflüchtigt sich schneller als ein sicher geglaubtes Budget zum Quartalsende. Plötzlich wird das Wort „Verkaufen“ zur ansteckenden Krankheit im Endstadium. Bloß nicht zu laut werden. Bloß nicht wie ein Marktschreier rüberkommen und die mühsam aufgebaute Seriosität durch „billiges Marketing“ besudeln.
Der psychologische Ausweg? Man flüchtet sich in teure Äußerlichkeiten
Eine handgeschöpfte Visitenkarte mit Prägedruck, ein High-End-Fotoshooting, eine Webseite, die zwar technisch glänzt, inhaltlich aber so vage bleibt, dass sie niemandem wehtut – und deshalb auch niemanden gewinnt. Kurz: Man betäubt die Angst, als „Staubsaugervertreter“ wahrgenommen zu werden, mit hochglänzender Design-Kulisse.
Und es gibt noch einen zweiten Angstpuffer:
Sie schreiben Webtexte, so glatt und abstrakt, wie ein Investor Relations Prospekt. Sie glauben, Worte wie „wertschöpfend“, „agil“ und „ganzheitlich“ zeugen von Professionalität.
Im Biotop des Großkonzerns konnten Sie sich hinter solchen Teflon-Texten verstecken. Im freien Markt fliegen Sie damit aus der Akquise-Kurve.
Weil: Mit solchem Konzern-Sprech zwingen Sie Ihren Leser dazu, erst mühsam zu erraten, was Sie eigentlich für ihn konkret tun können. Warum sagen Sie es ihm nicht gleich? Klar und deutlich:
„Ich ziehe Projekte glatt, die politisch festgefahren sind oder bei denen das Budget bereits unkontrolliert verbrennt.
Liest sich (und wirkt!) ganz anders als:
„Ich begleite Transformationsprozesse durch ganzheitliche Change-Management-Methodiken zur Sicherstellung nachhaltiger Synergieeffekte.“
Texten ist die Kunst, zu verkaufen, ohne wie ein Verkäufer zu klingen
Das Wichtigste dabei: Dem Leser die Unsicherheit zu nehmen. Das macht den Unterschied zwischen Schreiben und Texten.
Ein guter Text sagt: „Ich weiß, wo Sie stehen. Ich kenne die Komplexität Ihres Problems. Hier ist mein Weg, wie wir es lösen, und das ist das Ergebnis, das Sie erwarten können.“
Die KI hilft Ihnen, genau diese Klarheit zu finden
Der entscheidende Dreh: Treiben Sie die KI zum Extrem. Fordern Sie die KI auf, einen Entwurf zu schreiben, der bewusst überspitzt und fast schon provokant Ihre Lösung auf den Punkt bringt.
Warum? Weil es leichter ist, einen Text mit „Punch“ kontrolliert einzufangen, als eine vage, weich gespülte Floskel nachträglich mit Relevanz aufzuladen.
Probieren Sie einfach mal diesen „Kante-Prompt“ aus:
Nehmen Sie eine Ihrer aktuellen Leistungsbeschreibungen – egal wie „vage“ sie Ihnen vorkommt – und füttern Sie eine KI mit folgendem Befehl:
Ich bin Experte für [Ihr Fachgebiet] und neige dazu, mich zu vorsichtig auszudrücken. Bitte schreibe den unten eingefügten Text nun extrem radikal um. Sei provokant, benenne das Problem meiner Kunden schonungslos und formuliere meine Lösung so scharf und direkt wie möglich. Ignoriere meine Angst, jemanden zu verschrecken. Schreib es für jemanden, der keine Zeit für Floskeln hat. Aber bitte ohne Marktgeschrei und Superlative.
[ Hier Ihren Text einfügen ]
Das Ergebnis? Vor Schreck wird Ihnen das Herz in die Hose rutschen
Der KI-Text wird sich für Sie viel „zu laut“ anfühlen. Aber genau das ist der Zweck: Sie haben jetzt ein extrem klares Bild davon, wo die Schmerzgrenze liegt.
Nehmen Sie im nächsten Schritt die Aggressivität raus, aber behalten Sie die neu gewonnene Präzision. Sie werden merken:
Es ist weitaus befreiender, einen „zu ehrlichen“ Text zu bändigen, als mühsam zu versuchen, aus einer Wolke von Worthülsen eine Botschaft zu meißeln.
