„Exakt mein Problem!“: Webtexte schreiben, als könnten Sie Gedanken lesen

Lesezeit: 6 Minuten

Wer nach vielen Jahren auf der C-Level-Etage den Schritt in die Selbstständigkeit wagt – ob als Interim Manager, Berater oder Coach –, bringt meist ein wertvolles Kapital mit: Erfahrung, Netzwerke und tiefes Branchenwissen. Und etwas, das Ihnen jetzt bei der Kundengewinnung überraschend oft im Weg steht: Ihr Konzern-Vokabular.

Die Vorstandsversion: Kundensprache schlägt Konzernsätze

Jahrzehntelang wurden Sie dafür bezahlt, vor Vorständen, Investoren und Führungsgremien zu sprechen. Jetzt müssen Sie plötzlich so schreiben, dass ein Geschäftsführer innerhalb weniger Sekunden versteht, warum er Sie anrufen sollte. Genau daran scheitern viele erfahrene Manager beim Aufbau ihres Beratungs- oder Interim-Geschäfts.

Der Moment, in dem ein potenzieller Kunde auf Ihrer Website denkt: „Exakt mein Problem!“, ist kein Zufall. Er entsteht dann, wenn Sie seine Situation so beschreiben, wie er sie selbst erlebt.

Doch genau hier tappen viele ehemalige Führungskräfte in die gleiche Falle: Sie sprechen über Leistungen, Methoden und Prozesse – während ihre Kunden über Probleme, Druck und ungelöste Herausforderungen nachdenken.

Das Handicap dabei: Wortgebirge wie „ganzheitliche Transformation von Wertschöpfungsketten“ oder „strategische Optimierungsinitiativen“ wirken auf Ihrer Website zwar professionell. Sie unterscheiden Sie aber kaum von anderen Anbietern – und sie lassen Ihre Kunden kalt.

Was Ihnen in diesem Moment fehlt, ist die Übersetzung

Was heißt das, was Sie da schreiben, eigentlich netto in der echten Sprache Ihrer Kunden?

Ihr Experten-Sprech: „Wir restrukturieren unprofitable Geschäftsbereiche zur nachhaltigen Sicherung der Liquidität.“

So würde der Kunde seine Situation beschreiben: „Uns steht das Wasser bis zum Hals, die Bank macht Druck und ich brauche jemanden, der hier morgen aufräumt und die Reißleine zieht.“

oder

Ihr Fachchinesisch: „Optimierung der interfunktionellen Kommunikation zur Reduktion von Reibungsverlusten im mittleren Management.“

So würde der Kunde seine Situation beschreiben: Meine Abteilungsleiter bekämpfen sich lieber gegenseitig, anstatt miteinander zu reden, und Projekte bleiben monatelang liegen.“

Merken Sie den Unterschied?

Der Unterschied ist nicht die Kompetenz. Der Unterschied ist die Perspektive.

Manager beschreiben Leistungen. Kunden beschreiben Probleme.

Und gekauft wird fast immer auf Basis des Problems – nicht auf Basis der Methode. Wer seine Website wie einen Strategie-Workshop formuliert, wirkt fachlich kompetent. Wer die Situation des Kunden präzise beschreibt, wirkt relevant.

Genau diese Relevanz entscheidet später darüber, ob ein Interessent weiterliest oder wegklickt.

Dabei wissen Sie als erfahrene Führungskraft meist ganz genau, wo bei Ihren Kunden der Schuh drückt. Sie haben Restrukturierungen begleitet, Wachstumskrisen erlebt und schwierige Prozesse verantwortet. Sie kennen die Probleme aus der Praxis. Aber: Sie verklausulieren sie hinter Ihrem Expertentum.

Wie aber kommen Sie nun an genau diese ungefilterten Formulierungen heran, ohne Ihre Kunden vorher auf die Couch zu setzen?

Der Schlüssel dazu heißt Voice of the Customer (VoC): die systematische Analyse der Sprache Ihrer Zielgruppe. Kurz gesagt: Sie formulieren nicht mehr nur über den Markt, sondern schauen dem Markt so exakt „aufs Maul“, dass Ihre Webtexte wie Gedankenlesen wirken.

Das Beste daran:

Sie müssen dafür keine teure Marktforschung einkaufen oder wochenlang Umfragen auswerten. Das Ganze geht locker in zehn Minuten am Laptop – und zwar völlig gratis. Die echten O-Töne Ihrer Kunden liegen nämlich längst frei zugänglich im Netz. Sie müssen sie nur kurz einsammeln.

Quelle 1: Überraschende Einblicke aus Amazon-Rezensionen

Überraschenderweise liefern ausführliche Rezensionen zu Management-, Führungs- oder Restrukturierungsbüchern oft einen unverstellten Einblick in die Denkweise Ihrer Zielgruppe. Dort schreiben Unternehmer und Führungskräfte häufig deutlich offener über ihre Herausforderungen, als sie es in einem professionellen Gespräch tun würden.

Natürlich ersetzen diese keine wissenschaftliche Tiefenanalyse. Sie eignen sich jedoch hervorragend, um die typischen Frustrationen und Erwartungen Ihrer Zielgruppe zu identifizieren. Denn wenn Leser abends frustriert oder begeistert Rezensionen in die Tastatur tippen, fällt die professionelle Maske.

Bei der Analyse von Rezensionen zu bekannten Büchern aus den Bereichen Führung, Transformation oder Krisenmanagement zeigen sich häufig ähnliche Muster:

  • Die konkreten Probleme: Viele Leser äußern Frustration über Konzepte, die theoretisch überzeugend klingen, aber in der Praxis schwer umsetzbar sind. Häufig genannt werden außerdem interne Betriebsblindheit, politische Rücksichtnahmen oder Entscheidungsverzögerungen.
  • Die gesuchten Rollenbilder: Gesucht werden selten reine Verwalter des Status quo. Kunden beschreiben vielmehr den Wunsch nach Menschen, die Klarheit schaffen, Entscheidungen beschleunigen und schwierige Themen offen ansprechen.
  • Der Sprachschatz der Zielgruppe: Begriffe wie „Klartext“, „auf den Punkt“, „pragmatisch“, „umsetzbar“ oder „anpacken“ tauchen regelmäßig auf. Kritisch bewertet werden dagegen Formulierungen, die als abstrakt, unnötig kompliziert oder praxisfern wahrgenommen werden.

Quelle 2: Kundenstimmen Ihrer Mitbewerber analysieren

Eine zweite wertvolle Quelle sind Referenzen, Fallstudien und Testimonials auf den Websites Ihrer Wettbewerber. Schauen Sie sich an, was Kunden dort konkret loben. Gute Kundenstimmen beschreiben fast immer eine Entwicklung vom Problem zur Lösung.

Dort finden Sie häufig Antworten auf Fragen wie:

  • Welche Situation bestand vor der Zusammenarbeit?
  • Welche Hürden waren besonders belastend?
  • Welcher konkrete Nutzen wurde erzielt?
  • Welche Eigenschaften des Beraters wurden besonders geschätzt?

Wichtig: Es geht nicht darum, Aussagen zu kopieren. Nutzen Sie diese Stimmen als Realitäts-Check, um besser zu verstehen, welche Ergebnisse für Ihre Zielgruppe tatsächlich relevant sind und wie Kunden ihren Erfolg selbst beschreiben.

Die Übersetzung: Vom Expertensprech zum Kundenton

Die VoC-Methode zwingt Sie dazu, die Komfortzone der eigenen Fachsprache zu verlassen. Sie erklären das Problem nicht länger aus Sicht des Beraters, sondern spiegeln die Situation wider, die der Kunde selbst erlebt.

Ihr fachlich korrekter Gedanke:

„Unternehmen in der Krise scheitern häufig an mangelnder Transparenz und verzögerter Entscheidungsfindung durch interne Blockaden.“

So formuliert es die Zielgruppe in Rezensionen:

„Die Umsetzung wird schwierig, wenn man mitten im Wirbelsturm steckt und niemand die Probleme offen anspricht.“

Daraus entsteht eine kundennahe Problembeschreibung:

„Wenn Ihr Unternehmen mitten im Umbruch steckt, verhindern interne Rücksichtnahmen oft den Blick auf das Wesentliche. Als externe Kraft bringe ich Klarheit in Situationen, in denen Entscheidungen wieder möglich werden müssen.“

Oder ein weiteres Beispiel aus einem Mitbewerber-Testimonial:

„Vor dem Projekt steckten wir in endlosen Diskussionen fest. Niemand hat sich getraut, die Schwachstellen klar anzusprechen.“

Mögliche Hero-Headline für Ihre Website:

„Klare Entscheidungen statt endloser Diskussionen. Für Unternehmen, die vorankommen wollen.“

Der Unterschied mag auf den ersten Blick klein erscheinen. In der Wirkung ist er erheblich. Denn der Leser erkennt nicht nur Ihre Kompetenz, sondern auch seine eigene Situation wieder.

Und jetzt Sie: Ab in den Kopf des Kunden

Ich weiß, ich weiß: Das klingt nach verdammt viel Arbeit. Erst Detektiv spielen, Rezensionen wälzen, Mitbewerber screenen und dann auch noch die eigenen Texte komplett umkrempeln.

Aber wofür haben wir schließlich die KI? Sammeln Sie 10 bis 20 echte Rezensionen, Testimonials oder Kundenstimmen aus Ihrer Nische, und lassen Sie diesen Prompt wirken:

Du bist ein erfahrener B2B-Copywriter. Meine Zielgruppe sind [z.B. Geschäftsführer, Mittelständler, Gründer]. Ich möchte meine Website-Texte überarbeiten, damit sie die echte Sprache meiner Kunden ("Voice of the Customer") sprechen. Der Text soll frei von Corporate-Floskeln sein, aber absolut professionell bleiben.

Hier sind echte Kundenbewertungen und Kundenstimmen aus meiner Nische:
###
[Hier 10-20 kopierte Rezensionen / Mitbewerber-Testimonials einfügen]
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Ergänze nun bitte diese zwei Aufgaben:

Aufgabe 1: VoC-Analyse
Analysiere das Material. Welche 5 zentralen Schmerzpunkte (Pain Points) bewegen meine Zielgruppe am meisten? Welche spezifischen Begriffe und Metaphern nutzen sie? Erstelle mir daraus ein prägnantes Tonalitäts-Profil.

Aufgabe 2: Text-Transformation
Hier ist mein bisheriger Textentwurf für meine Website:
"""
[Hier Ihren eigenen alten Textentwurf einfügen, z. B. die Leistungsseite oder das Profil]
"""

Schreibe diesen Textentwurf komplett um. Nutze die Tonalität und die typischen Phrasen aus Aufgabe 1. Vermeide Floskeln wie "ganzheitlich", "synergistisch" oder "optimiert". Formuliere direkt, präzise und ergebnisorientiert.

Executive Summary: Kundensprache schlägt Konzernsätze

  • Das eigentliche Problem: Viele ehemalige Vorstände, Geschäftsführer und Bereichsleiter schreiben auf ihrer Website noch immer so, als würden sie intern mit Führungsgremien kommunizieren. Für potenzielle Kunden bleibt dabei oft unklar, welches konkrete Problem sie lösen.
  • Der entscheidende Perspektivwechsel: Manager beschreiben Leistungen. Kunden beschreiben Probleme. Wer die Sprache seiner Zielgruppe übernimmt, wirkt verständlicher, relevanter und deutlich überzeugender.
  • Die praktische Lösung: Die besten Formulierungen müssen Sie nicht erfinden. Sie finden sie bereits in Rezensionen, Testimonials und Kundenstimmen. Mit einer einfachen VoC-Analyse und einem guten KI-Prompt entstehen daraus Webtexte, die bei potenziellen Kunden sofort Resonanz erzeugen.

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