Sie haben Nächte vor Ihren neuen Webtexten verbracht, an Sätzen gefeilt, bis die Gleitsichtbrille beschlug. Aber das Ergebnis? Liest sich wie die Hausordnung einer mittelständischen Versicherung.
Sie kommen einfach nicht aus Ihrer Haut.
Da ist diese panische Angst, die Ex-Kollegen könnten den Text lesen und Sie für „unseriös“ halten. Die Angst, im Haifischbecken der Selbstständigkeit wie ein billiger Marktschreier auf dem Hamburger Fischmarkt rüberzukommen. Die Konsequenz:
Sie haben jedes Wort so tief in Watte gepackt, dass man den Kern Ihrer Botschaft nur noch mit dem Röntgengerät findet.
Sie säuseln im Konjunktiv, bloß um keine Angriffsfläche zu bieten. Und wundern sich, dass Ihre Webbesucher Ihre Edel-Website schneller verlassen, als Sie Klick sagen können.
Wenn Sie nicht wollen, dass Ihre Webtexte im digitalen Archiv verstauben, müssen Sie den Speck absaugen. Hier 5 Wege, wie Sie Ihre Texte von Schlaftabletten in echte Ansagen verwandeln:
1. Die rhetorischen Rollatoren entsorgen
Wörter wie „wirklich“, „ziemlich“ oder „eigentlich“ sind die Sicherheitswesten des Konzerners. Wer „eigentlich“ sagt, lässt sich ein Hintertürchen offen, falls es doch nicht klappt.
Im Konzern sichert das den Bonus, in der Selbstständigkeit kostet es den Auftrag. Streichen Sie die gelben Markierungen ersatzlos. Ihr Webtext wird dadurch nicht kürzer, sondern glaubwürdiger.
2. Die „Es ist“-Trägheit überwinden
Sätze, die mit „Es ist“ beginnen, haben die Dynamik einer Rheumadecke. Im Konzern haben Sie so Zeit geschunden, bis die Kaffeepause kam. Online ist der Leser beim zweiten „Es ist“ schon auf der Website der Konkurrenz. Werden Sie zum Akteur Ihres Satzes, statt nur den Zustand zu beschreiben.
3. Nährstofffreies Hüftgold absaugen
Überflüssige Füllwörter sind die Kalorienbomben Ihrer Webtexte. Sie blähen Sätze auf, ohne Ihrem Leser auch nur ein Gramm Substanz zu liefern. Wenn Sie Wörter nutzen, die den Sinn des Satzes beim Streichen nicht verändern, dann weg damit. Ihr Text muss so drahtig sein wie ein Profisportler.
4. Den Konjunktiv-Blues beenden
„Wir würden uns freuen…“ – das ist die Sprache eines Bittstellers, der auf die Gnade des Abteilungsleiters hofft. Sie sind jetzt Experte. Werden Sie zum Akteur. Ein Call-to-Action ist kein Wunschkonzert, sondern eine klare Handlungsaufforderung.
5. Abstrakte Allerwelts-Lyrik ersetzen
Wörter wie „schön“, „gut“ oder „kompetent“ sind das digitale Junkfood Ihrer Texte. Sie erzeugen keine Bilder im Kopf, sondern lassen Ihren Leser im luftleeren Raum stehen. Tauschen Sie diese Worthülsen gegen Begriffe aus, die Substanz und Kante haben.
Sehen Sie das Elend links? „Langjährig“, „kompetent“, „optimal“ – das ist das Bullshit-Bingo der Konzern-Mittelmäßigkeit. Das klingt nach einer Broschüre für eine Krankenkasse, aber nicht nach einem Experten, dem ich fünfstellige Summen überweise. Wenn Sie „optimale Ergebnisse“ versprechen, sagen Sie eigentlich: „Ich habe keine Ahnung, was ich für Sie tun kann, aber es wird schon irgendwie okay sein.“ Werden Sie spezifisch.
Liefern Sie Kante statt Floskel-Brei!
Ihre Zielgruppe hat keine Zeit für hohle Phrasen und Allerwelts KI-Texte. Die Leute da draußen wollen wissen, ob Sie das Problem lösen können oder ob Sie nur eine teure Hülle sind, in der noch der Geist des mittleren Managements spukt.
Ihre Anti-Angsttherapie
Schreiben Sie Ihren ersten Entwurf so, wie Sie nach dem dritten Glas Wein an der Hotelbar über Ihren Ex-Chef herziehen würden: Ehrlich, direkt und ohne Rücksicht auf Verluste. Den Feinschliff – das radikale Absaugen der Fettpolster – machen Sie am nächsten Morgen, wenn der Espresso wirkt.
Ihr Quick-Check gegen das Konzerntext-Hüftgold:
- Der Spiegel-Test: Würden Sie diesen Satz so auch Ihrem besten Freund an der Bar sagen? Wenn nein: Löschen.
- Die „Eigentlich“-Diät: Suchen Sie mit
Strg + Fnach „eigentlich“, „vielleicht“ und „wirklich“. Markieren und restlos entfernen. - Die Aktiv-Spritze: Steht das Wichtigste am Satzanfang oder eiern Sie noch mit einem „Es ist“ herum?
- Der Konjunktiv-Check: Haben Sie „würde“ oder „hätte“ benutzt? Ersetzen Sie Zögern durch Handeln.
- Die Bild-Prüfung: Erzeugt Ihr Adjektiv ein echtes Bild oder ist es nur eine müde Worthülse wie „kompetent“?
Worauf warten Sie? Nehmen Sie sich Ihren wichtigsten Blogpost oder Ihr LinkedIn-Profil vor und machen Sie daraus eine klare Ansage statt rhetorische Fahrstuhlmusik.
