Positionierung finden: Warum Sie keine Angst vor der Lücke haben dürfen (aber trotzdem zittern)

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Sie sitzen vor Ihrem MacBook und starren auf den blinkenden Cursor unter der Überschrift „Was ich für Sie tue“. In Ihrem Kopf rattert es: „Ich bin Strategie-Experte. Aber auch Change-Manager. Und Coach. Und eigentlich kann ich auch Interim-HR. Und Restrukturierung sowieso.“

Sie haben Angst.

Nicht vor dem Scheitern. Sondern vor dem Weglassen.

Im Konzern war „Allround-Talent“ ein Kompliment, eine Versicherung gegen die Bedeutungslosigkeit. In der Selbstständigkeit ist „Ich kann alles für jeden“ das Ticket direkt in die Unsichtbarkeit.

Wer alles sein will, ist am Ende für niemanden die Lösung. Das ist kein Marketing, das ist unternehmerische unterlassene Hilfeleistung.

Warum Positionierung so verdammt wehtut

Sich festzulegen bedeutet, Nein zu sagen. Nein zu 95 % des Marktes, um für die restlichen 5 % die einzige logische Wahl zu sein. Das erfordert Mut – eine Ressource, die zwischen Compliance-Richtlinien und Abstimmungsrunden oft verkümmert ist.

Positionierung ist eine Operation am offenen Ego

Sie müssen die glänzende Rüstung des „Generalisten“ ablegen und zugeben: „Hier bin ich Weltklasse, und dort hinten habe ich keine Ahnung.“ Das fühlt sich an wie ein freier Fall ohne Fallschirm, dabei bauen Sie gerade erst das Flugzeug, das Sie wirklich trägt.

Was Ihnen hilft, Ihre klare Kante zu finden:

  1. Hören Sie auf, in den Rückspiegel zu schauen
    Ihre Positionierung ist nicht die Summe Ihrer Zeugnisse. Nur weil Sie 20 Jahre lang Kostenstellen optimiert haben, heißt das nicht, dass Sie das für den Rest Ihres Lebens tun müssen. Fragen Sie sich nicht: „Was habe ich gemacht?“, sondern: „Welches Problem löse ich so gut, dass es wehtut, mich nicht zu buchen?“
  2. Suchen Sie den „Schmerzpunkt“, nicht das „Wohlfühl-Thema“
    Wenn Ihre Dienstleistung ein „Nice-to-have“ ist, sind Sie in der ersten Krise draußen. Finden Sie das Problem, das Ihren Kunden nachts wachhält. Werden Sie zum Chirurgen, nicht zum Wellness-Masseur. Ein Chirurg positioniert sich nicht über sein freundliches Lächeln, sondern über seine Erfolgsquote bei komplizierten Eingriffen.
  3. Hören Sie auf Ihre Wut
    Was nervt Sie in Ihrer Branche am meisten? Wo denken Sie: „Das kann doch nicht wahr sein, wie das hier läuft!“? In dieser Wut liegt oft Ihre schärfste Positionierung. Wer gegen den Strom schwimmt, wird gesehen. Wer mit dem Strom schwimmt, landet im Ozean der Beliebigkeit.
  4. Der „Fahrstuhl-Test“ ohne Floskeln
    Wenn Sie 30 Sekunden Zeit haben, erklären Sie mir Ihr Business – ohne Wörter wie „synergetisch“, „ganzheitlich“ oder „lösungsorientiert“. Wenn ein Zwölfjähriger nicht versteht, was Sie tun, verstehen es Ihre Kunden auch nicht. Sie tarnen Unklarheit nur mit Fachchinesisch.

Eine scharfe Positionierung ist kein Gefängnis, sondern ein Katapult

Ja, es braucht Mut, sich festzulegen. Aber das Risiko, als „einer von vielen“ in der digitalen Bedeutungslosigkeit zu versinken, ist weitaus größer als das Risiko, ein paar falsche Kunden zu verschrecken.

Schärfen Sie Ihre Kante, nicht Ihr Ego. Wer kein Profil hat, hinterlässt keinen Eindruck.