Kennen Sie auch diesen Typ Rennradfahrer, der sich für 8.000 Euro eine Carbon-Maschine kauft, nur um dann festzustellen, dass die Waden für den Harz zu mickerig sind?
Im Business-Coaching heißt dieses 8.000-Euro-Rad ‚Full-Service-Markenauftritt‘.
Bevor viele Ex-Führungskräfte auch nur den ersten Akquise-Anruf gewagt haben, besitzen sie bereits ein Logo mit drei verschiedenen Blautönen und eine Webseite, die technisch alles kann, außer die Frage zu beantworten:
Warum sollte ich ausgerechnet Sie buchen?“
Genau hier schnappt sie nämlich zu, die Agentur-Falle
Während die Kreativen dort noch darüber philosophieren, ob ein pastelliges Petrol Ihre ‚Leadership-DNA‘ besser zur Geltung bringt, verbrennen Sie Ihr Startkapital für eine Show, die am Ende genau eines nicht tut: Kunden gewinnen.
Das Problem: Die Agentur verkauft Ihnen einen Maßanzug, während Sie eigentlich erstmal schwimmen lernen müssten
Was dann passiert, ist eine digitale Tragödie in drei Akten:
- Die Stockfoto-Ästhetik: Man verkauft Ihnen Bilder von Menschen, die in hellen Konferenzräumen so angeregt auf ein Whiteboard starren, als hätten sie gerade das Rad neu erfunden. Spoiler: Niemand glaubt Ihnen, dass das Ihr Büro ist. Ihr Büro ist der Küchentisch, an dem die Katze gerade versucht, Ihr Schinkenbrot zu fressen.
- Das Text-Vakuum: Wenn es um die Inhalte geht, sagt die Agentur: ‚Füllen Sie einfach diesen Fragebogen aus.‘ Dieser wird dann von einem Junior-Texter (oder gleich von ChatGPT ohne Aufsicht) in eine Form gegossen, die so glatt ist, dass man darauf ausrutscht. Das Ergebnis? Sätze wie: ‚Wir synergetisieren Ihre Potenziale für eine nachhaltige Zukunft.‘ Das klingt nach Konzern-Latein auf Steroiden und hat die emotionale Durchschlagskraft einer feuchten Serviette.
- Das Haifischbecken-Ignorieren: Die Agentur baut Ihnen eine wunderschöne, einsame Insel im digitalen Ozean. Sie vergessen nur zu erwähnen, dass drumherum die Haie kreisen – also die Wettbewerber, die schon seit fünf Jahren Content raushauen, der echte Schmerzen lindert, während Sie noch über die richtige Nuance von ‚Company-Rot‘ im Logo diskutieren.
Warum ist das für Sie gefährlich?
Weil Sie als Einzelkämpfer nicht die Reichweite einer Marke wie Mercedes oder Siemens haben. Sie können es sich nicht leisten, generisch zu sein. Wenn Sie 8.000 und mehr Euro für eine Webseite ausgeben, die so aussieht und klingt wie jede andere Unternehmensberatung zwischen Pinneberg und Passau, haben Sie kein Marketing gemacht.
Sie haben eine digitale Visitenkarte im Wald vergraben
Draußen im Web herrscht Goldgräberstimmung, aber die Schaufeln, die man Ihnen verkauft, sind aus Pappe.
Bevor Sie also Ihr Abfindungskonto plündern, um die nächste ‚Full-Service-Betreuung‘ zu buchen, halten Sie kurz inne. Die beste Agentur der Welt kann Ihre Erfahrung nicht ersetzen. Wenn Ihr Text nicht nach Ihnen klingt – nach Ihren Ecken, Kanten und den Schlachten, die Sie geschlagen haben –, dann ist er wertlos. Hören Sie auf in Schönheit zu sterben, und fangen Sie an, die Wahrheit zu sagen.
Das ist meistens billiger und … es könnte sogar Kunden anlocken.
